Bericht aus der Praxis

Anpassungsqualifizierung – Mit den richtigen Werkzeugen an die Arbeit

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von Unternehmen Berufsanerkennung
26.03.2020 3 Minuten Lesezeit

Viele Anerkennungsverfahren werden mit dem Ergebnis „teilweise Gleichwertigkeit" abgeschlossen. In diesen Fällen stellt sich die Frage: Sollen die festgestellten Unterschiede in einer Anpassungsqualifizierung ausgeglichen werden oder stellt sich die Fachkraft mit ihrem vorhandenen Know-how (also mit einer teilweisen Gleichwertigkeit) dem Arbeitsmarkt zur Verfügung?

Falls eine Anpassungsqualifizierung angepeilt wird, muss an vielen Stellschrauben und Rädchen gedreht werden – schließlich resultieren aus unterschiedlichen Bildungs- und Berufsbiografien ganz individuelle Qualifizierungsbedarfe und es gilt das Motto „Jeder Fall ist anders". Planung, Organisation und Umsetzung einer Anpassungsqualifizierung erfordern also einen nicht unerheblichen Aufwand, der von allen Beteiligten, also Fachkraft, organisierender Handwerkskammer und den unterschiedlichen Qualifizierungspartnern bewältigt werden muss.

Sobald Teile der Qualifizierung als betriebliche Praxisphase absolviert werden sollen, sind auch Betriebe unmittelbar Akteure. Doch diese Form des Praktikums unterscheidet sich von sonst üblichen Betriebspraktika (z. B. Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, kurz EQJ) und stellt ganz spezielle Anforderungen an das jeweilige Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund hat das Team von UBAHWK verschiedene Materialien („Werkzeuge") entwickelt, die die Betriebe in ihrer Funktion als Lernort einer Anpassungsqualifizierung unterstützen. Idealerweise werden diese Werkzeuge von der zuständigen Handwerkskammer in Verbindung mit einer entsprechenden Beratung zur Verfügung gestellt. Aktuell werden sie in den UBAHWK-Partnerkammerbezirken Berlin, Erfurt, München und Oberbayern sowie Südwestfalen erprobt und sollen nach einer einjährigen Testphase noch einmal überarbeitet und optimiert werden. Die zahlreichen Nachfragen aus dem Bundesgebiet zeigen jedoch, dass das Interesse am UBAHWK-Werkzeugkasten schon zum jetzigen Zeitpunkt sehr hoch ist. Aus diesem Grund stellt das UBAHWK-Team die bisher erstellten Testversionen früher als geplant online. Die Erprobung wird also quasi bundesweit ausgerollt.

​Hier die Übersicht mit einigen Erläuterungen:

  • Mustervertrag „Betriebliche Anpassungsqualifizierung":
    Der Mustervertrag kann zur Anwendung kommen, wenn ein Betrieb sich als Lernort für eine Anpassungsqualifizierung zur Verfügung stellt und die entsprechenden Rahmenbedingungen zwischen der zu qualifizierenden Person und dem aufnehmenden Betrieb schriftlich fixiert werden sollen.
     
  • diverse Anlagen zum Mustervertrag:
    Hier sind der „Betriebliche Qualifizierungsplan" (Anlage B) und das „Dokumentationsheft" (Anlage D) hervorzuheben. Der Betriebliche Qualifizierungsplan bietet die Möglichkeit, die Arbeitsbereiche präzise abzubilden, die im Praktikum nachqualifiziert werden sollen. Mit dieser Übersicht kann der qualifizierende Betrieb einfach und schnell erkennen, zu welchen Tätigkeiten (und in welchem Umfang) die Fachkraft eingeteilt und ggf. angeleitet werden muss. Wichtig: Voraussetzung hierfür ist, dass die Inhalte der betrieblichen Qualifizierung von der Handwerkskammer (oder der betreffenden zuständigen Stelle) genau definiert und in den Qualifizierungsplan eingetragen wurden.
    Das Dokumentationsheft hingegen ermöglicht eine Art „Protokollierung" durch die zu qualifizierende Person und kann wochenweise – digital oder per Hand (Blankoausdruck) – ausgefüllt werden.
    Weitere Anlagenmuster sind ein kurzes Formular zum Versicherungsschutz und eine individualisierbare Vorlage zur Ausstellung einer Teilnahmebescheinigung durch den Betrieb.
     
  • Merkblätter zu folgenden Themen:
    Argumente für die Berufsanerkennung", „Fördermittel (Agentur für Arbeit) für Betriebe" und „Unfallversicherung während der Anpassungsqualifizierung".

Der Werkzeugkasten wird je nach Bedarf weiter ergänzt.​

Senden Sie uns gerne Ihre Anregungen (welche zusätzlichen Werkzeuge fehlen, wären aber sinnvoll?) und Verbesserungsvorschläge (was sollte geändert werden?) an uba@zwh.de – wir freuen uns auf viele Rückmeldungen!