Fragen & Antworten

Welche Berufsabschlüsse können oder müssen durch die berufliche Anerkennung anerkannt werden?

Das Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen (Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz, kurz: BQFG) gilt sowohl für nicht-reglementierte als auch für bestimmte reglementierte Berufe. Bei einem reglementierten Beruf ist der Zugang zu diesem Beruf und die Berufsausübung nur dann erlaubt, wenn ein Nachweis bestimmter Qualifikationen erbracht ist.

Berufliche Anerkennung bei nicht-reglementierten Berufen 

Personen, die nicht zu Erwerbszwecken nach Deutschland zugewandert sind oder bereits lange hier leben und über einen entsprechenden gültigen Aufenthaltstitel verfügen, müssen sich für die Ausübung eines nicht-reglementierten Berufs in Deutschland nicht zwingend eine Anerkennung ihres ausländischen Abschlusses bescheinigen lassen. Diese Personen können Sie in Ihrem Unternehmen auch ohne einen Anerkennungsbescheid beschäftigen. Dies gilt zum Beispiel für Facharbeiter/innen oder Gesell/innen, wenn die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person zum Tätigkeitsprofil passen.

Berufliche Anerkennung bei reglementierten Berufen 

Bei den reglementierten Berufen hingegen ist ein anerkannter Abschluss Voraussetzung dafür, in dem Beruf arbeiten und die Berufsbezeichnung führen zu dürfen. Zu diesen knapp 400 Berufen zählen etwa Gesundheitsberufe (zum Beispiel Altenpfleger/in, Krankenschwester/Krankenpfleger, Pflegefachfrau/-fachmann, Ärztin/Arzt, Apotheker/in), Rechtsberufe, Berufe im öffentlichen Dienst, das Lehramt an staatlichen Schulen oder Erzieher/in.

Die berufliche Anerkennung kann immer hilfreich sein

Die allermeisten der knapp 330 Ausbildungsberufe im dualen Berufsausbildungssystem zählen zu den nicht-reglementierten Berufen (zum Beispiel Industriekaufmann bzw. -kauffrau, Tischler/in, Elektroniker/in).

Doch auch in den Fällen, in denen die Anerkennung kein „Muss“ ist, kann sie trotzdem hilfreich sein. Der Anerkennungsbescheid in deutscher Sprache hilft Arbeitgebern, die Fähigkeiten und Kenntnisse von Fachkräften mit ausländischen Abschlüssen besser einzuschätzen und z.B. die Qualitätsstandards des Unternehmens zu sichern. Ausländische Fachkräfte wiederum bringt ein anerkannter Abschluss in eine bessere Position in der Zusammenarbeit im Team und bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz.

Ob ein Beruf reglementiert ist oder nicht, erfahren Sie im „Anerkennungs-Finder“ auf dem Portal „Anerkennung in Deutschland“.

Wichtig zu beachten: Für Angehörige von Drittstaaten ist die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation beziehungsweise die Vergleichbarkeit des Hochschulabschlusses in der Regel Voraussetzung für die Erteilung eines Visums zur Einreise nach Deutschland – auch wenn es sich um einen nicht-reglementierten Beruf handelt. Drittstaaten sind Staaten außerhalb des Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums und Schweiz. Ausgenommen sind lediglich IT-Fachkräfte mit berufspraktischen Kenntnissen unter bestimmten Voraussetzungen: Sie benötigen keine Anerkennung.

Auch nach dem Brexit können Berufsqualifikationen aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland weiterhin anerkannt werden. Die Anerkennung erfolgt dann voraussichtlich nach den nationalen Regelungen für Berufsqualifikationen aus Drittstaaten. Die EU-Regelungen zur Anerkennung finden auf Anträge, die im Übergangszeitraum bis zum 31.12.2020 gestellt werden, weiterhin Anwendung.