Was bringt Vielfalt im Unternehmen und wie lässt sie sich fördern?

Vielfalt als Erfolgsfaktor

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von Unternehmen Berufsanerkennung
25.02.2021 4 Minuten Lesezeit

„Diverse Teams können viel voneinander lernen und ihre Stärken kombinieren und erreichen dadurch mehr als homogene Teams.“ – so Chi Pham, der im Personalbereich eines mittelständigen Unternehmens für Spieleentwicklung tätig ist. Sein Unternehmen gewinne durch die vielfältige Belegschaft an Wissenstransfer, Innovation, an Verbesserungspotenzialen und positivem Teamgeist. Dies alles mache das Unternehmen langfristig und nachhaltig erfolgreich. Das ganze Interview mit Herrn Pham können Sie übrigens hier nachlesen.

Frau Meyer-Hetling, Integrationsbeauftragte bei einer großen deutschen Krankenhausgruppe, berichtet in ihrem Video-Interview mit uns: „Man wird auch als Unternehmen interessant. Seitdem ich in der Auslandsrekrutierung mitwirke, merke ich, dass unsere ausländischen Fachkräfte sehr zufrieden sind, das auch weitergeben und wir als Unternehmen auch sehr attraktiv wirken. Wir haben also kein Problem mit Bewerbungen, da schneien wirklich tagtäglich welche bei uns rein.“  

Das sind zwei von vielen Stimmen, die Vielfalt als Bereicherung für die Unternehmenskultur und als entscheidenden Faktor für den Unternehmenserfolg beschreiben. Wie immer, wenn verschiedene Perspektiven aufeinandertreffen, kann dies natürlich auch mit Herausforderungen verbunden sein. Wir geben Ihnen nachfolgend ein paar praktische Anregungen und Informationen an die Hand, wie Sie Ihre neuen Mitarbeiter*innen beim Ankommen und Integrieren in den Betrieb unterstützen können. So bringen Sie den oben und von vielen weiteren Unternehmen beschriebenen „Erfolgsfaktor Vielfalt“ auch in Ihre Organisation.

 

A) Vor der Einstellung

Offene Ansprache bei Stellenanzeigen

Achten Sie beim Erstellen Ihrer Stellenanzeigen darauf, dass Sie damit die unterschiedlichsten Bewerber*innen ansprechen. Um möglichst viele Menschen für Ihr Unternehmen zu interessieren, sollten Sie auf geschlechtsneutrale Formulierungen achten, die niemanden ausschließen oder benachteiligen. Verwenden Sie in Ihrer Stellenanzeige eine möglichst einfache und verständliche Sprache, kurze Sätze und wenige Fremdwörter, um auch Bewerber*innen anzusprechen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Wenn Sie gezielt Personen aus dem Ausland ansprechen wollen, lohnt es sich ggf. auch, die Stellenanzeige auf Englisch zu verfassen.

Auch das Bild, das Sie ggf. begleitend zur Stellenanzeige abbilden, kann aussagekräftig sein. Zeigen Sie hier vielfältige Protagonistinnen und Protagonisten, ohne diese stereotypisch darzustellen.

Interkulturelle Sensibilisierung der Belegschaft und der neuen Fachkräfte

Ein guter Start kann die Bindung einer neuen Fachkraft an das Unternehmen entscheidend prägen. Es gibt viele Wege, wie Sie als Arbeitgeber*in oder Personaler*in den Arbeitsbeginn vorbereiten können.   

„Es ist sehr wichtig, dass man die Teams vorher interkulturell sensibilisiert und die Zusammenarbeit auf beiden Seiten – in der Belegschaft und bei den internationalen Fachkräften - gut vorbereitet, “so Frau Meyer-Hetling, Integrationsbeauftragte der St. Augustinus Gruppe. Weiter berichtet sie:Wir bereiten die neuen Kolleginnen mit Onlinekursen vor, sodass sie wissen, welche Arbeitsvoraussetzungen bestehen und welche Behördengänge gemacht werden müssen.“

 

B) Bei der Einarbeitung

Sprachpaten

Kommen neue Mitarbeiter*innen in Ihr Team, lohnt es sich, sie in den ersten Wochen besonders zu unterstützen, bei ausländischen Fachkräften zum Beispiel hinsichtlich der Sprache. Das kann individuell geschehen, z. B. wenn jemand aus dem Team bei Sprachfragen weiterhilft. In größeren Unternehmen helfen hier aber auch feste Strukturen wie Mentoringprogramme: Kolleginnen oder Kollegen aus demselben Fach sind für die neue Fachkraft eine konkrete Ansprechperson und unterstützen kontinuierlich bei sprachlichen Hürden und Fachwissen.

Unterstützung bei der Suche nach Deutschkursen und Behördengängen

Fachkräften, die neu in Deutschland ankommen, kann es schwerfallen, sich im Behördendschungel zurechtzufinden. Hier können Sie entscheidend unterstützen. Bei der GameDuell GmbH, einem Spieleentwickler in Berlin, sieht das zum Beispiel so aus: „Sobald die Teammitglieder und deren Familie hier vor Ort sind, vereinbaren wir die Termine für die Arbeitserlaubnis, begleiten sie bei Behördengängen (Bürgeramt, Ausländerbehörde), helfen bei der Eröffnung eines Bankkontos und bei der Beantragung oder Anmeldung von weiteren notwendigen Schritten“ - so Chi Pham. Der Talent Acquisition & Development Manager berichtet auch, dass die Unterstützung sich lohnt: „Unser Engagement kommt an: unsere Teammitglieder lassen uns regelmäßig wissen, wie dankbar sie uns für unsere Unterstützung sind“.

In der St. Augustinus Gruppe hat Frau Meyer-Hetling die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt Sachen auszuprobieren: „Wir haben immer gelernt und neue Pilotprojekte ins Leben gerufen und diese weiterentwickelt. Wir haben dann zum Beispiel gemerkt, Mentor*innen im Betrieb alleine reichen nicht aus, da bedarf es nochmal Lots*innen, die auch extern unterstützen. Hier haben wir auch die Unterstützung der Stadt Neuss, die ein Lotsenprogramm aufgesetzt hat. Dadurch gibt es viele Paten, die die Fachkräfte dabei unterstützen, sich auch im Alltag zurechtfinden und in der Freizeit wohlzufühlen.“

 

Im Betriebsalltag

Feste Ansprechpartner*innen

Für Fachkräfte aus dem Ausland kann es sehr hilfreich sein, wenn sie feste Ansprechpersonen im Unternehmen festlegen. Das kann ein ganzes Team sein, wie das People&Culture-Team bei der GameDuell GmbH oder auch einzelne Personen, wie die Integrationsbeauftragte der St. Augustinus Gruppe.

Herr Pham von GameDuell berichtet: „Auch den seit längerer Zeit im Unternehmen Beschäftigten stehen wir immer für sämtliche Fragen mit Rat und Tat zur Verfügung. Wir überwachen die fristgerechte Verlängerung der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse bzw. helfen bei der Übertragung der Aufenthaltstitel in eine unbefristete Niederlassungserlaubnis.“ Neben der Unterstützung bei organisatorischen Dingen, habe sein Team auch jede Menge Tipps und Ratschläge für das Leben und Freizeitmöglichkeiten in Berlin parat, erzählt Herr Pham.

„Ich kann nur empfehlen einen festen Ansprechpartner festzulegen. Die Fachkräfte wissen, dass sie sich bei allen Behördenthemen und organisatorischen Dingen an mich als Integrationsbeauftragte wenden können. Alles was rund um die Arbeit geht, haben sie direkt im Betrieb einen Ansprechpartner und für die Freizeit gibt es die externen Integrationslotsen,“ so Frau Meyer-Hetling von der St. Augustinus Gruppe.

 

Trainings für Fach- und Führungskräfte

Interkulturelle Trainings für Fach- und Führungskräfte können eine positive, vielfaltsfördernde Unternehmenskultur stärken. Inhalte solcher Trainings können unter anderem sein, den eigenen Kommunikationsstil, die eigenen Prägungen sowie deren (Außen-)Wirkung zu reflektieren und mehr über inklusive Strukturen und Antidiskriminierungsmaßnahmen im Unternehmen zu erfahren.

Rücksicht auf religiöse Bedürfnisse

Wenn Sie eine vielfältige Belegschaft haben, gibt es unter Umständen auch unterschiedliche Religionszugehörigkeiten. Es lohnt sich, auf die religiösen Bedürfnisse Ihrer Beschäftigten im Betriebsalltag einzugehen und diese mit Ihrem Betriebsalltag zu verbinden.

Gemeinsame Erlebnisse

Für einen Teamzusammenhalt helfen gemeinsame Aktionen wie ein Kochabend, Spiele- oder Austauschrunden. Sie bringen die Beschäftigten in Kontakt, bauen Vorurteile ab und sensibilisieren sie für die Vorteile von Vielfalt. Ein besseres Miteinander im Team hilft dabei, das Verständnis füreinander zu stärken und die Motivation zu steigern. „Wir veranstalten regelmäßig Spieleabende mit Stadt - Land – Kolleg/in. Hier lernen sich die Kolleg*innen besser kennen und das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt,“ berichtet Frau Meyer-Hetling von der St. Augustinus Gruppe.

Wir hoffen, dass Sie mit den Tipps in diesem Artikel und durch die vielseitigen Erfahrungen anderer Unternehmen einige Anregungen erhalten haben, um die Vorteile von Vielfalt für Ihr Unternehmen optimal nutzen zu können.