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Geflüchtete einstellen: So gelingt der Einstieg!

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Gut 1,4 Millionen Menschen sind allein in den Jahren 2015-2017 nach Deutschland geflohen. Viele von ihnen werden in ihre Heimat zurückkehren, viele aber auch bleiben. Sie zu integrieren ist eine große Herausforderung für das Land, aber auch eine Chance – insbesondere für die Wirtschaft. Bei entsprechender Förderung stehen Geflüchtete als Arbeitskräfte für den Wirtschaftsstandort Deutschland zur Verfügung und können ein Baustein sein, den Mangel an Fachkräften zu reduzieren. Jedoch ist die Beschäftigung von Geflüchteten oft mit Hürden und Herausforderungen verbunden.

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge bietet deshalb interessierten Unternehmen kostenlos Beratung, Unterstützung und praktische Lösungsansätze, um diese Herausforderungen zu meistern. Mehr zu der Initiative von Bundeswirtschaftsministerium und Deutschem Industrie- und Handelskammertag finden hier.

In unserem ersten Beitrag soll es vor allem um die Fragen gehen, die sich ganz zu Beginn einer möglichen Beschäftigung von Geflüchteten stellen:

  • Wie sehen die juristischen Rahmenbedingungen aus?
  • Wie komme ich mit Geflüchteten in Kontakt?
  • Wie kann ich auch ohne formale Qualifikationen einschätzen, welche Kompetenzen Geflüchtete mitbringen?

Wer darf in Deutschland arbeiten?

Ob eine geflüchtete Person in Deutschland arbeiten darf, hängt in erster Linie vom Aufenthaltsstatus ab. Generell gilt:

Schutzberechtigte Personen – also Geflüchtete, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde und die einen Aufenthaltstitel erhalten haben – dürfen für die Gültigkeitsdauer ihrer Aufenthaltserlaubnis uneingeschränkt beschäftigt werden.

Auch bei Asylbewerbern und Asylbewerberinnen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde (sie besitzen die sogenannte Aufenthaltsgestattung), oder bei Geduldeten, bei denen nach einem negativen Bescheid die Abschiebung ausgesetzt wird, ist eine Beschäftigung möglich. Hier muss allerdings die Ausländerbehörde zustimmen. Den Antrag auf Beschäftigungserlaubnis müssen Geflüchtete selbst bei der Ausländerbehörde stellen.

Es gibt auch eine Gruppe an Geflüchteten, die nicht beschäftigt werden dürfen: Dies betrifft diejenigen, die noch keine drei Monate in Deutschland registriert sind, die eine Aufforderung zur Ausreise erhalten haben. Auch Personen aus sicheren Herkunftsstaaten, die ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt haben, können nicht beschäftigt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier und hier.

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Wer hilft bei der Kontaktaufnahme?

Bei der Kontaktaufnahme zu Geflüchteten helfen die Bundesagentur für Arbeit und das Jobcenter sowie die Willkommenslotsen.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet über den Arbeitgeberservice eine Kontaktstelle für Unternehmen. In vielen Arbeitsagenturen wurde zudem ein Team Asyl eingerichtet, das Ihnen beratend zur Seite steht. Liegt eine Aufenthaltsgenehmigung vor, wechselt die Zuständigkeit und das Jobcenter steht als Ansprechpartner für Sie als Unternehmer zu Verfügung.

Die Willkommenslotsen beraten Unternehmen in allen praktischen Fragen der betrieblichen Integration von Flüchtlingen – dazu gehört es auch, bei der Besetzung von offenen Ausbildungs-, Praktikums- und Arbeitsstellen mit geeigneten Flüchtlingen zu helfen. Die Willkommenslotsen unterstützen Sie beispielsweise dabei, Anforderungsprofile für die jeweilige Stelle zu erarbeiten oder eine Vorauswahl passender Bewerberinnen und Bewerber aus dem Kreis der Geflüchteten zu treffen.

Darüber hinaus gibt es viele digitale Plattformen, auf denen sich interessierte Unternehmen und motivierte Geflüchtete finden können.

Alles dazu und viele weitere Links finden Sie hier.

Wie kann ich die Kompetenzen einschätzen?

Oftmals ist es schwierig, einzuschätzen, welche Kompetenzen die Geflüchteten mitbringen, da es in ihren Heimatländern kein vergleichbares Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt. Dennoch gibt es Möglichkeiten, diese Kompetenzen zu erkennen.

Mit der Registrierung in Deutschland sind Geflüchtete für den Bereich Arbeitsförderung in der Obhut der Agentur für Arbeit. Dort wird ein erster grundlegender Lebenslauf erstellt. Dieser wird nach einem positiven Bescheid der Aufenthaltserlaubnis in der Regel durch das Jobcenter erweitert. Dann haben Geflüchtete formal den gleichen Zugang zu Arbeitsförderungsmaßnahmen wie Arbeitslose ohne Migrationshintergrund.

Daneben bietet eine Reihe an Dienstleistern sogenannte Kompetenztests an, die spezifische Kompetenzen abfragen.

Viele unserer Mitglieder haben auch die Erfahrung gemacht, dass sie in Vorstellungsgesprächen vermehrt auf „Soft Skills" achten müssen, um festzustellen, was er oder sie in das Team einbringen können und welchen Beruf sie gerne ausüben oder erlernen möchten.

Weitere Informationen zum Feststellen von Kompetenzen finden Sie hier.


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