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Dank Anpassungsqualifizierung zur qualifizierten Fachkraft

Udo Tartter und Aleksandar Atanasov © Udo Tartter

"Wir sehen die Anpassungsqualifizierung als Investment und hoffen, Herrn Atanasov nach Abschluss als Fachkraft weiter beschäftigen zu können."

Udo Tartter (TARTTER Elektroanlagen GmbH)

Die Firma TARTTER Elektroanlagen GmbH aus Ludwigshafen baut im Auftrag ihrer Kunden komplette elektrotechnische Infrastrukturen von industriell und gewerblich genutzten Gebäuden sowie für Büro- und Sozialgebäude. Hierfür ist sie auf qualifizierte Fachkräfte im Bereich Energie- und Gebäudetechnik angewiesen, doch gerade in diesen Berufen herrscht vielerorts ein eklatanter Fachkräftemangel. Das spürt auch das 2001 von Udo Tartter gegründete Unternehmen.

Dank der Handwerkskammer der Pfalz hat der Gründer und Geschäftsführer Anfang des Jahres den 27jährigen Aleksandar Atanasov kennengelernt. Der gebürtige Mazedonier hat in Italien eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht und von der zuständigen Anerkennungsstelle eine teilweise Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf beschieden bekommen. Um die volle Gleichwertigkeit zu erlangen, hat er im Februar 2018 bei TARTTER Elektroanlagen GmbH eine 12-monatige Anpassungsqualifizierung begonnen.

Im Interview erzählt Geschäftsführer und Gründer Udo Tartter, wie es dazu kam, wie die Anpassungsqualifizierung aufgebaut und warum sie eine Win-Win Situation für beide Seiten ist.

Herr Tartter, wie sind Sie mit Herrn Atanasov in Kontakt gekommen?
Die Handwerkskammer der Pfalz kam auf uns zu und fragte, ob wir Herrn Atanasov eine Anpassungsqualifizierung in unserem Betrieb ermöglichen können.

Herrn Atanasov wurde eine „teilweise Gleichwertigkeit" attestiert. Welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten fehlen ihm zur vollen Gleichwertigkeit?
Herr Atanasov hat seine Ausbildung in Italien abgeschlossen. Die Ausbildungsinhalte dort sind nicht so weitreichend wie im deutschen dualen Ausbildungssystem. Er verfügt über sehr gute handwerkliche Fähigkeiten und ein gutes Grundwissen, aber insbesondere im Praxisbereich besteht noch Nachholbedarf.

Was war Ihre Motivation, Herrn Atanasov die Anpassungsqualifizierung zu ermöglichen?
Unser Ziel war es, einen neuen Mitarbeiter zu gewinnen und ihn langfristig an unser Unternehmen binden. Herr Atanasov ist unheimlich motiviert und hat einen sehr guten Eindruck auf uns gemacht, also wir haben ihm die Chance gegeben, die volle Gleichwertigkeit zu erlangen.

Wie genau läuft die Anpassungsqualifizierung ab?
Die Anpassungsqualifizierung dauert 12 Monate. Grundlage dafür ist der von der Handwerkskammer der Pfalz erstellte Qualifizierungsplan, in dem die noch fehlenden Kenntnisse für den deutschen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik detailliert aufgelistet sind. Bei uns im Betrieb erlangt Herr Atanasov hauptsächlich praktische Kenntnisse. Ergänzend dazu nimmt er an drei Kursen einer überbetriebliche Ausbildung im Berufsbildungscenter der Handwerkskammer der Pfalz teil, wo sowohl Theorie- als auch Praxiskenntnisse vermittelt werden. Nach erfolgreicher Beendigung der Anpassungsqualifizierung erhält er von uns ein Zeugnis über die vermittelten Kenntnisse. In Verbindung mit den Kursen der überbetrieblichen Ausbildung hat er damit die Nachweise, die er zur Erlangung der vollen Anerkennung benötigt.

In welchem Beschäftigungsverhältnis befindet sich Herr Atanasov?
Während der Anpassungsqualifizierung ist er als Elektrohelfer eingestellt. Wenn Herr Atanasov die volle Anerkennung erhalten hat und weiterhin so gut mitarbeitet, werden wir ihn auf jeden Fall als Fachkraft Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik übernehmen.

Wie erfolgt die Begleitung durch die Handwerkskammer?
Die Handwerkskammer der Pfalz steht uns jederzeit zu allen Fragen zur Verfügung und hat uns schon sehr geholfen. Die Anpassungsqualifizierung ist für uns mit einigen Kosten verbunden. Unsere Qualifizierungsberaterin hat uns erfolgreich bei der Beantragung einer Zusatzfinanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit unterstützt.

Welche Herausforderungen sind mit der Anpassungsqualifizierung für Sie und Ihr Haus verbunden?
Die größte Herausforderung ist es, jemanden im laufenden Tagesgeschäft anzulernen. Das beginnt gleich am ersten Tag mit der Sicherheitsunterweisung, wie zum Beispiel den Gefahrenstellen auf der Baustelle. Diese Aufgabe hat ein langjähriger, erfahrener Mitarbeiter bei uns übernommen. Er betreut Herrn Atanasov, versucht ihm alles so gut wie möglich zu erklären und die „deutsche Ausführung" zu vermitteln.

Wenn Sie heute wieder vor der Wahl stehen würden, eine Anpassungsqualifizierung in Ihrem Haus durchführen zu lassen – würden Sie sich für diesen Weg entscheiden?
Grundsätzlich ja. Wenn wir im Einstellungsgespräch merken, dass die Person zu uns passt und die Chemie stimmt, ist die Anpassungsqualifizierung für alle Beteiligten eine sehr gute Sache.

Welche Anregungen und Erfahrungswerte möchten Sie zur Anpassungsqualifizierung zum Ende des Interviews mit uns teilen?
Die Handwerkskammer und die Bundesagentur für Arbeit haben uns ein Rundum-Paket geboten und uns hervorragend unterstützt. Damit bin ich wunschlos glücklich. Hilfreich wäre gerade für kleine und mittlere Betriebe eine finanzielle Entlastung. Bei der Anpassungsqualifizierung fallen Kurskosten für die überbetriebliche Ausbildung an, die komplett von uns getragen wurden. Und obwohl Herr Atanasov während des vierwöchigen Kurses nicht einsatzfähig ist, zahlen wir sein Gehalt weiter. Diese Mehrkosten könnten den ein oder anderen Betrieb abschrecken. Wir sehen es als Investment und hoffen, Herrn Atanasov nach Abschluss der Anpassungsqualifizierung als Fachkraft weiter beschäftigen zu können. Es ist aber ein unternehmerisches Risiko, denn wir haben keine Garantie dafür, dass er sich nicht doch woanders nach einer Arbeit umsieht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tartter.

Bildnachweise: Beitragsbild von Udo Tartter und Aleksandar Atanasov © Udo Tartter

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