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Mit über 6,8 Milliarden Euro Umsatz und täglich fast einer Million Kunden ist das Friseurhandwerk so gefragt wie nie zuvor. Die Zahl der Friseurbetriebe in Deutschland bleibt dabei konstant, die Handwerksrollenstatistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) dokumentiert derzeit 80.769 Salons. Doch der Fachkräftemangel ist in der Friseurbranche deutlich zu spüren.

In unserem Interview beantwortet Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, die Frage, mit welchen Maßnahmen die Branche Engpässen entgegenwirkt und welche Rolle die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dabei im Friseurhandwerk spielt.

Herr Müller, wie sieht die Fachkräftesituation in Ihrer Branche aus?

Die Fachkräftesituation im Friseurhandwerk ist angespannt. Die Betriebe müssen sich heutzutage bei den zukünftigen Azubis bewerben und nicht umgekehrt. Qualität und Professionalität in der Ausbildung spielt bei diesem Wettbewerb um zukünftige Mitarbeiter eine große Rolle. Denn die Mehrheit der jungen Menschen ist heutzutage sehr gut informiert. Wer ausbildet, sichert auch die Zukunft seines Unternehmens. Angesichts des demografischen Wandels ist das schon fast eine Binsenweisheit. Erschwert wird die Situation durch den allgemeinen Trend zum Studium. Wir müssen also zukünftig noch stärker verdeutlichen, welche Chancen junge Friseure heutzutage haben.

Auch der Trend zu Mikrobetrieben hat im Friseurhandwerk in den vergangenen Jahren zu einem fortwährenden Abbau der Beschäftigung geführt. Diese Mikrobetriebe beschäftigen keine Mitarbeiter, bilden keinen Nachwuchs aus und können dabei zugleich unterhalb eines Jahresumsatzes von 17.500 Euro mehrwertsteuerfrei und damit konkurrenzlos günstig am Friseurmarkt agieren.

Welche Pfade der Fachkräftesicherung empfehlen Sie den Unternehmen Ihrer Branche?

Wir empfehlen den Betrieben ein aktives Azubi-Marketing zu betreiben. Die jungen Menschen müssen aktiv angesprochen werden und auf die Karrierechancen, die das Friseurhandwerk bietet, aufmerksam gemacht werden. Vor allem Social-Media-Kanäle eignen sich für eine gezielte Rekrutierung von Jugendlichen. Wie gesagt, die Betriebe müssen sich heutzutage bei den Azubis bewerben und nicht umgekehrt. Im Wettbewerb um die Azubis sollten die Betriebe unbedingt Mehrwerte schaffen. Dies könnte z. B. die Übernahme nach Abschluss, Aufstiegsperspektiven wie die Finanzierung der weiteren Fortbildung, übertarifliche Ausbildungsvergütung, die Teilnahme an Wettbewerben oder die Fahrtkostenübernahme sein.

Die kontinuierliche Modernisierung des Berufsbilds mit neuen Karrieremöglichkeiten ist unumgänglich, um künftig wieder mehr Nachwuchs für die Friseurbranche gewinnen zu können. Der Zentralverband stärkt mit dem Ausbau dieser Aufstiegschancen die Attraktivität des Friseurberufs. In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Koblenz und der Steinbeis-Business-Academy hat der Zentralverband als Initiative den Bachelor of Arts Business Administration (B. A.) mit dem Schwerpunkt Beauty-Management entwickelt. Der Studiengang ermöglicht Jugendlichen, die sich für das Friseurhandwerk interessieren, attraktive Berufsperspektiven in Zeiten der Verschiebung von Karrierewegen.

Aufstiegsqualifizierungen wie die Fortbildung zum Coloristen oder zum Salonservice-Manager runden das Gesamtbild ab und zeigen, dass engagierten Jugendlichen eine Fülle von Karrieremöglichkeiten offenstehen. Vom Anstellungsverhältnis als Meister, über den eigenen Salon bis zu einer Karriere in der Modewelt oder Kosmetikindustrie.

Unsere Betriebe, Innungen und Landesverbände machen eine Ausbildung im Friseurhandwerk aber nicht nur inhaltlich noch attraktiver – auch bei der Ausbildungsvergütung hat sich in den letzten Monaten viel getan.

Worin liegen Ihres Erachtens die betrieblichen Chancen der beruflichen Anerkennung?

Betriebe können die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse zur Fachkräftesicherung nutzen. Mit der beruflichen Anerkennung kann die Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzabschluss ermittelt werden. Die berufliche Anerkennung kann somit dazu beitragen, den Fachkräftemangel etwas zu lindern.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Müller!


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