Blick in die Praxis

Ein Jahr Fachkräfteeinwanderungsgesetz

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von Unternehmen Berufsanerkennung
01.03.2021 3 Minuten Lesezeit

Viel Corona, wenig Fachkräfteeinwanderung? Erste Erfahrungen aus der Praxis stimmen erwartungsvoll

Can Capan ist Inhaber der CNC Zerspanungstechnik Capan GmbH aus Weiden in der Oberpfalz. Sein Unternehmen gehörte im Jahr 2020 zu den Ersten, die über das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) eine Fachkraft aus einem Nicht-EU-Staat eingestellt haben. Am 1. März 2020 ist das FEG in Kraft getreten. Damit wurde es erstmals möglich, dass Fachkräfte mit anerkannten Berufsabschlüssen aus Drittstaaten zum Arbeiten nach Deutschland kommen können – in allen Berufen, nicht mehr nur in sogenannten Engpassberufen.

Etwa zeitgleich brachte die Corona-Pandemie enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Das Thema Fachkräfteeinwanderung rückte damit zwar insgesamt in den Hintergrund. Allerdings gab und gibt es nach wie vor Branchen und Unternehmen wie das von Can Capan, die unabhängig von der Pandemie unter dem Fachkräftemangel leiden und etwas dagegen tun möchten.

Das Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“ informiert Unternehmen über ihre Möglichkeiten mit dem FEG und hat mit Herrn Capan gesprochen. Hier berichtet er über seine Erfahrungen und hat Praxistipps für andere Unternehmen.

 

5 Fragen an: Can Capan, Inhaber CNC Zerspanungstechnik Capan GmbH

Was hat Sie dazu motiviert, über das FEG eine Fachkraft aus dem Ausland in Ihren Betrieb zu holen?

Can Capan: Wir hatten dauerhaft eine Stelle offen, die wir nicht mit inländischen Bewerbern besetzen konnten. Da mussten wir irgendwann kreativ werden. Mein Vater hat sich bei Bekannten umgehört und zufällig ergab sich dann eine persönliche Empfehlung in der Türkei.

Wie sind Sie vorgegangen?

Can Capan: Erst einmal hat sich die interessierte Fachkraft gekümmert. Hier wurde aber schnell klar, dass er auf unsere Unterstützung angewiesen war, damit der Prozess möglichst schnell und reibungslos läuft. Ich habe mich dann nach und nach immer tiefer eingelesen, habe Beratungsstellen und Projekte wie „Unternehmen Berufsanerkennung“ kontaktiert und bin so auch auf die Möglichkeit des beschleunigten Fachkräfteverfahrens gestoßen. Das habe ich bei der zuständigen Ausländerbehörde hier in meiner Region beantragt, es kostete 411 Euro. Die haben sich dann gekümmert, aber ich musste auch am Ball bleiben. Es war viel Geduld und Durchhaltevermögen nötig. Aber am Ende hat es sich gelohnt und schließlich lagen der Anerkennungsbescheid für die ausländische Qualifikation und das Einreisevisum vor.

Was waren die größten Herausforderungen mit dem beschleunigten Fachkräfteverfahren?

Can Capan: Die größte Herausforderung lag darin, mir erstmal einmal einen Überblick zu verschaffen: Welche Unterlagen werden gebraucht, wo sollen wir als Unternehmen anfangen, was ist die erste Anlaufstelle.

Wer oder was hat Ihnen am meisten geholfen und welche Tipps haben Sie für andere Betriebe, um auftretende Herausforderungen gut zu meistern?

Can Capan: Viel telefonieren! Ich habe alle Beratungsstellen angerufen, die es gibt. Zum Beispiel die IHK, die Agentur für Arbeit, die Ausländerbehörde. Geholfen haben mir auch die Tipps von „Unternehmen Berufsanerkennung“.

Wie geht es jetzt für Ihr neues Teammitglied weiter und was tun Sie, dass das Ankommen in Ihrem Betrieb gelingt?

Can Capan: Wir möchten natürlich, dass unser neues Teammitglied langfristig bei uns bleibt. Deshalb unterstützen wir als Arbeitgeber, wo es nur geht. Wir engagieren uns allumfassend für die betriebliche und soziale Integration. Dazu gehört zum Beispiel, Sprachkurse zu ermöglichen oder bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen zu helfen. Für dieses Engagement und weil wir auch aktiv bei der Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation unterstützt haben, wurden wir vor kurzem auch mit dem Siegel „Wir fördern Anerkennung“ ausgezeichnet.

Viel Erfolg weiterhin und vielen Dank für das Gespräch!

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) ist am 1. März 2020 in Kraft getreten. Das Gesetz soll es Unternehmen erleichtern, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Zentrale Voraussetzungen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt sind ein anerkannter Abschluss der Fachkraft und das Angebot eines Arbeitsplatzes durch ein Unternehmen.

Es entfallen die Begrenzung auf Engpassberufe (Fachkräfteeinwanderung ist nunmehr in allen Berufen möglich, nicht mehr nur in Mangelberufen) sowie die Vorrangprüfung (es muss nicht mehr geprüft werden, ob eine Stelle ggf. auch von einer geeigneten Fachkraft aus Deutschland oder der EU besetzt werden kann).

Trotz der Corona-Pandemie ist die Einreise für Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Alle Informationen können Sie in den FAQ des Bundesinnenministeriums nachlesen.