Berufliche Anerkennung – Wie Unternehmen mit ausländischen Fachkräften gewinnen

Wir haben mit Henning Paulmann (Referat Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Kompetenzerfassung beim DIHK) und Daike Witt (Referat Berufliche Bildung beim ZDH) über die Chancen der Berufsanerkennung für Unternehmen gesprochen.

DIHK und ZDH haben Anfang 2016 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Kenntnis und Nutzung der Berufsanerkennung auf betrieblicher Seite zu fördern. Warum?

Henning Paulmann: Um die Bekanntheit des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ zu steigern, wurde in den letzten vier Jahren viel unternommen. Im Fokus waren dabei vor allem die Anerkennungsinteressierten - Fachkräfte mit ausländischen Qualifikationen. In den Unternehmen gibt es allerdings noch immer ein großes Informationsdefizit.Zum Beispiel waren bei der letzten „DIHK Ausbildung-Online-Umfrage“ Anerkennungsgesetze lediglich einem Viertel der Unternehmen bekannt. Da gibt es also noch eine Menge Luft nach oben.

Das Projekt folgt diesem Informationsbedarf. Zugleich leisten wir damit einen Beitrag, die Akzeptanz der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bei den Unternehmen weiter zu fördern. Denn schließlich ist Berufsanerkennung auch ein Transparenzinstrument. Es verschafft Klarheit darüber, was jemand im Ausland gelernt hat.


Worin sieht das Handwerk den betrieblichen Mehrwert der Berufsanerkennung?

Daike Witt: Der größte Vorteil dürfte die Unterstützung bei der Einstellung neuer Mitarbeiter/innen sein: Eine den Bewerbungsunterlagen beigefügte Anerkennungsbescheinigung hilft Betrieben enorm weiter. Im besten Fall attestiert sie die volle Gleichwertigkeit mit einem deutschen Berufsabschluss. Dann kann der Betrieb sicher sein, dass er es mit einer Fachkraft zu tun hat, die – abgesehen von üblichen Einarbeitungsprozessen und eventuell von Sprachbarrieren – problemlos für alle Tätigkeiten einsetzbar ist.

Berufsanerkennung ist aber auch ein idealer Ausgangspunkt für Personalentwicklungsmaßnahmen, insbesondere für betriebliche oder externe Qualifizierungsmaßnahmen von Beschäftigten mit ausländischer Berufsqualifikation. Wer seinen Mitarbeiter/innen hilft, sich in die für den deutschen Arbeitsmarkt typische "Zertifikatskultur" zu integrieren, sendet zudem ein klares Signal der Wertschätzung.

Wenn Anerkennungsverfahren im Ergebnis auch Defizite ermitteln – wie können solche Lücken denn geschlossen werden?

Henning Paulmann: Die beruflichen Ausbildungsstrukturen in der Welt sind nun mal sehr unterschiedlich. Unser duales Berufsausbildungssystem ist zwar ein Erfolgsmodell, aber im internationalen Vergleich auch eher die Ausnahme. Deshalb können im Vergleich mit dem deutschen Abschluss teilweise wesentliche Unterschiede bestehen. Die IHK FOSA hat hierzu umfassende Expertise aufgebaut. In den einfachsten Fällen fehlt betriebliche Praxis, die sich ebenso einfach entsprechend nachholen lässt. Bei spezifischem Fortbildungsbedarf können insbesondere die Anerkennungsberater vor Ort in der Kammer bei der Suche und Auswahl geeigneter Angebote helfen.


Was erhoffen Sie sich von dem Projekt für die Berufsanerkennung?

Daike Witt: Wir müssen noch mehr Vertrauen in die Anerkennungsbescheide der Kammern schaffen, die neben die deutschen Zeugnissen und Zertifikaten als eine neue "Währung" in die Arbeitswelt treten. In einer zunehmend globalisierten Welt müssen sich Betriebe an diese neue "Währung" gewöhnen. Darum wünsche ich mir vor allem, dass das Projekt positive und verständliche Botschaften entwickelt sowie praxisnahe und glaubwürdige Beispiele für die betriebliche Nutzung der Berufsanerkennung identifiziert - und dabei die jeweilige betriebliche Wirklichkeit berücksichtigt.