Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks zeigen Vielfalt

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von Unternehmen Berufsanerkennung
03.09.2020 5 Minuten Lesezeit

Ein Peer-to-Peer Projekt zur Fachkräfte- und Nachwuchsgewinnung

Zur Behebung des Fachkräftemangels im deutschen Handwerk wird weiterhin nach Lösungen gesucht. Mit der Initiative „Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks“, entsteht aktuell ein neuer Lösungsweg: Handwerker*innen mit Migrationshintergrund, die sich selbst bereits erfolgreich in ihrem Beruf etabliert haben, unterstützen eingewanderte Menschen ehrenamtlich bei der Arbeitsmarktintegration. Diese sollen als zukünftige Fachkräfte gewonnen werden, indem sie für eine Aus- oder Weiterbildung oder die Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses im Handwerk begeistert werden.

 

Botschafter*innen als persönliche Ansprechpartner*innen

Die Botschafter*innen können dabei Fachkräfte, Auszubildende oder Beschäftigte mit Migrationshintergrund bzw. eigenen Einwanderungserfahrungen sein sowie Personalverantwortliche, die viel Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund haben. Unter den aktuell etwa 25 Ehrenamtlichen befinden sich auch einige Betriebsinhaber*innen. Durch ihre persönlichen Erfahrungen mit den Themen Einwanderung und Integration, ihr interkulturelles Wissen und ihre Mehrsprachigkeit sind die Botschafter*innen ideale Ansprechpersonen und Orientierungsgeber*innen. So kann beispielsweise der Botschafter Ahmed Moussa, der seit 2015 in Deutschland lebt und als Informationselektroniker arbeitet, seine Erfahrungen in Deutsch und Arabisch weitergeben. Er begründet seinen Einsatz als Botschafter mit dem Wunsch neu Eingewanderten zu helfen: „Damit ich das zeigen kann, was für die Menschen, die neu in Deutschland sind, fremd oder neu ist. Damit möchte ich den Weg einfacher für diese Menschen machen.“

(c) Kathrin Jegen

 

Ehrenamtlicher Einsatz der Botschafter*innen

Die Botschafter*innen begleiten die Beratungsfachkräfte der Handwerkskammern zu Informationsveranstaltungen in Sprachschulen, Ausbildungsmessen oder Migrantenorganisationen. Sie informieren Eingewanderte über alles, was diese über eine Aus- oder Weiterbildung im Handwerk wissen müssen. So auch zum Beispiel über die Möglichkeit der Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation  in Deutschland und den damit verbundenen Karrierechancen. Dabei setzt sich die Zielgruppe der Botschafter*innen aus neu Eingewanderten zusammen (mit und ohne Fluchthintergrund), und aus Menschen, die schon länger in Deutschland leben, aber noch keinen anerkannten Berufsabschluss haben. Die Botschafter*innen können gezielt auf Bedenken oder Ängste von Eingewanderten eingehen. Besonders jungen Menschen, mit handwerklichen Neigungen oder Vorerfahrungen in Handwerksberufen soll durch diese direkte Ansprache die Möglichkeit einer Karriere im Handwerk aufgezeigt werden.

Die Botschafter*innen stellen ihren Weg ins Handwerk auf Veranstaltungen vor und informieren zu Fragen. (c) Doris Kinkel, Handwerkskammer Aachen

 

Vorteile für Handwerksbetriebe

Für die Handwerksbetriebe, die sich an der Initiative beteiligen, bringt das Engagement viele Vorteile: Neben dem offensichtlichen Vorteil, als positives Beispiel voran zu gehen und Integration zu fördern, profitieren die Betriebe auch wirtschaftlich. Durch das Einsetzen der ehrenamtlichen Botschafter*innen, erreichen sie ihre Zielgruppe bei der Suche nach Mitarbeiter*innen direkter. Über den Austausch mit den Botschafter*innen lernen die potenziellen Mitarbeiter*innen bereits wichtige Aspekte über den Betrieb kennen, werden so stärker an den Betrieb gebunden und können Hürden wie sprachliche Verständigung oder kulturelle Besonderheiten leichter nehmen. Diese Einbindung und die Vermittlung des realen Arbeitsalltags kann Ausbildungsabbrüchen vorbeugen und ein gutes Betriebsklima schaffen. Zudem profitieren Betriebe, die Botschafter*innen entsenden von deren Kompetenzsteigerung. Die Tätigkeit steigert das Selbstbewusstsein und kommunikative Kompetenzen der Botschafter*innen. So bilden die Botschafter*innen innerhalb des Betriebes eine Kompetenz für Fragen rund um Integration aus und können für Kolleg*innen wichtige Ansprechpartner*innen werden.

 

Weiterbildung der Ehrenamtler*innen

Für die Botschafter*innen selbst bietet das Engagement eine Aufwandsentschädigung für ihre Einsätze, Vergünstigungen für Weiterbildungen sowie Möglichkeiten zu kostenlosen Qualifizierungsangeboten. Dabei können sich die Botschafter*innen mit anderen Handwerker*innen ihrer Region vernetzen und zusätzlich eine professionelle Beratung ihrer Handwerkskammer bei der Planung ihrer eigenen Karriere erhalten. Im Rahmen ihrer Tätigkeit erwerben sie auch neue Kompetenzen und Fähigkeiten, wie im aktuellen „Videoprojekt“ im Kammerbezirk Aachen, wo die Grundlagen der professionellen Videoproduktion mit dem Smartphone vermittelt werden.

In speziellen Workshops und Schulungsangeboten werden die Botschafter*innen auf Ihre Rolle vorbereitet und erhalten die Möglichkeit, sich beruflich und privat weiterzuentwickeln. (c) Kathrin Jegen

 

Nach einem Workshop für die Botschafter*innen drehen diese Videos über ihre eigenen Geschichten und den Berufsalltag. Diese Videos werden im Anschluss über Social-Media und die Webseite der Initiative geteilt und sollen Eingewanderten einen direkten Einblick in den Berufsalltag im Handwerk geben.

 

Einbindung der Initiative in das Förderprogramm IQ

Die Initiative ist Teil des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, das es sich seit 2005 zum Ziel gesetzt hat, die Arbeitsmarktchancen von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Ein besonderes Interesse besteht darin, Eingewanderten mit ausländischen Berufsabschlüssen eine Beschäftigung in Deutschland zu ermöglichen, die ihren Qualifikationen entspricht. Die Initiative „Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks“ wird als Pilotierungsprojekt von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH e.V.) im Rahmen ihrer Aktivitäten im Multiplikatorenprojekt des Förderprogramms umgesetzt, finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

 

Ausweitung der Initiative geplant

Vier Handwerkskammern beteiligen sich bereits an der im Jahr 2019 gestarteten Initiative: Die Handwerkskammern Aachen, Hannover, Hildesheim-Südniedersachsen und Südthüringen. Für die zweite Jahreshälfte ist die Aufnahme weiterer Partnerkammern geplant. Interessierte Organisationen des Handwerks sind eingeladen, mit dem Projektteam der ZWH in Kontakt zu treten.